Angst vor invasiven Arten

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Gerade habe ich einen Bericht von National Geographic über Ameisen gelesen, die das Jagdverhalten von Löwen auf Zebras ändern, weil sie bestimmte Pflanzen nicht besiedeln.
Und das brachte mich direkt dazu, an Waschbären zu denken.

Von Waschbären ...

Waschbären halten Einzug in unsere Region. Sie sind putzig an zu sehen, haben aber letztens Vogelfutter (in Form eines Meisenknödels) vom Vogelhäuschen gestohlen. Ein Nachbar kam an und fragte "fragt ihr euch auch, wohin eure Meisenknödel verschwinden?". Er hatte eine Webcam aufgestellt und konnte so einen Waschbären bei Nacht bei seinem Beutezug filmen.
Waschbären gehören nicht in diese Region. Es handelt sich um eine invasive Art, die aufgehalten werden muss weil der Vorgang unnatürlich ist.

... und Ameisen

Auf National Geographic habe ich gerade einen Artikel gelesen (https://www.nationalgeographic.de/tiere/2024/02/butterfly-effect-ameisen-aendern-jagdverhalten-von-loewen-schmetterlingseffekt) in dem beschrieben wird, wie Ameisen das Jagdverhalten von Löwen auf Zebras ändern (Spoiler: die Löwen verstecken sich in Büschen einer bestimmten Pflanzenart die in Symbiose mit einer bestimmten Ameisenart leben, die diese Pflanze beschützen - eine andere Ameisenart dringt nun vor, die diese Büsche nicht mehr beschützt, daher werden die Büsche von Pflanzenfressern gefressen und nun haben die Löwen kein Versteck für die Jagd mehr).
Bei den Ameisen handelt es sich um eine invasive Art, wobei der Vorgang jedoch natürlich ist.

Dilemma

So steht man vor einem Dilemma: es gibt also ebenso "unnatürliche" Vorgänge durch invasive Arten wie aber auch "natürliche" Vorgänge durch invasive Arten, die das Leben auf diesem Planeten verändern. Die einen "sind unerwünscht" und die anderen ...?
Wer entscheidet denn, was "natürlich" ist und was nicht? Man könnte jetzt argumentieren, dass die Waschbären ja durch den Menschen eingeschleppt wurden, die Ameisen vielleicht jedoch durch das Gefieder einer Vogelart oder im Fell eines Büffels? Spielt es denn wirklich eine Rolle, durch wen eine Art irgendwo hin gelangen konnte? Ist so gesehen nicht jeder Vorgang letztendlich natürlich? Eine durch einen Wasserbüffel eingeschleppte Ameisenart ist natürlich, durch Menschen eingeschleppte Waschbären nicht? Gehören nicht beide Vorgänge zur Evolution? Schließlich gibt es immer einen Grund, warum sich eine Art irgendwo ausbreitet.

Änderung war schon immer die einzige Konstante im Universum

– Heraklit von Ephesos (um 535 - 475 v. Chr.)

AfD & Kultur

Dann fällt mir dazu auch immer wieder die AfD (und Gleichgesinnte) ein, z. B. mit dem Thema "Verlust der Kultur". Wir verlieren also durch "invasive Arten" unsere Kultur?
Und da ist auch schon der erste Denkfehler in diesem Zusammenhang:

Kultur ist kein Status sondern ein unendlicher Prozess

Ja, ja. Am liebsten würde die AfD den jetzigen Zustand einfrieren und konservieren. Z. B. die Sprache, die durch "Bros" anfängt so fürchterlich "undeutsch" zu werden. Alles soll so bleiben wie es ist. Doch dann muss man ja dezent darauf hinweisen, dass der auch der "aktuelle Stand unserer Kultur" nur durch fürchterliche Sprachveränderung zu Stande gekommen ist. Denn höret, ansonsten müsste man euch kundtun, dass ihr gar schrecklich in eurer Wortwahl vom Kulturtum des Mittelalters abgewichen seid, da ihr nicht geschwollen die Worte wählt, wie sie der königliche Herold kund zu tun geliebet!
Und selbst das ist ja schon eine Weiterentwicklung der Sprache der Neandertaler. Oder wollen wir wieder zu "uga-uga" an den Lagerfeuern in den Höhlen zurück? Die AfD vielleicht, ich nicht.

Daher habe ich eine Theorie dazu. Nämlich die, dass vor allem die (geistig) Schwachen Veränderungen durch Verbote aufhalten möchten, aus Angst selbst unter zu gehen.
Und so stecken sie viel Energie darein, alle um sie herum auf zu halten, anstatt die Veränderungen zu nutzen und sich an zu passen.

Und das hat die Evolution schon seit jeher gezeigt: die, die sich nicht anpassen können, sind die, die verschwinden.
So etwas wie Invasion gibt es nicht, nur Verbreitung und Anpassung.

Und wer nun sagt, es gibt sehr wohl invasive Arten und die Verbreitung dieser müssen aufgehalten werden:
wir selbst (der Mensch) ist extrem invasiv. Was das dann wohl für uns bedeutet ... Aber das ist natürlich(!) was gaaaanz anderes!

Zum Titelbild

Kartoffeln

Die scheinbar "urdeutschen" Kartoffeln sind durch den Menschen nach Europa eingeschleppte Pflanzen.
Ebenso wie z. B. Tomaten, Mais, Paprika, Peperoni und Chilis, Kürbis, Auberginen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche, viele Getreidesorten, Spinat, Melonen, ...

Diese Pflanzen gehören "natürlich" nicht nach Europa!
Aber wie wäre es ohne sie?

Wir haben sie "integriert" und sie als "unser" angenommen. Und viele werden wahrscheinlich unwissentlich denken "die haben schon immer zu uns gehört" und dass sie - weil sie so gut und erfolgreich sind - von anderen adaptiert wurden, dabei ist es genau umgekehrt. Wie sehr man sich doch irren kann, wenn man glaubt zu wissen.

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