Für mich bitte kein Eis!

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Während ich mich unverfroren aus der Bettdecke schäle, zeigt die Botanik jenseits des Fensters ein komplett anderes Bild: es hat diese Nacht gefroren!

Das bedeutet nicht nur, dass ich dann lieber etwas später losfahre als geplant, so dass die Temperaturen eine Chance bekommen sich - wie ich auch - noch etwas an zu ziehen, ich werde auch vorsichtiger - sprich: langsamer - fahren, denn da wo Schatten ist, ist dann meist auch noch Eis.

Das Motorrad ist seit Urzeiten schon der beste Freund des Menschen. Was wäre aus dem Wilden Westen ohne Motorräder geworden oder auch aus den Mongolen ohne Ihre Motorräder? Schon damals brachten die Spanier die ersten Motorräder nach Amerika um das Land dann Richtung Westen zu besiedeln. Dadurch, dass das Motorrad die Menschen schon so lange begleitet, gibt es auch spezielle Züchtungen, die z. B. fähig sind auf dem Eis zu fahren.
Meines jedoch leider nicht.

 
Dem Eis trotzend springt die Maschine ohne Probleme an. Und sofort warnt mich das Display: anfänglich zeigt das Thermometer nur 1,5 Grad, doch schnell wandern die Zahlen auf der Anzeige nach oben: vier, fünf, sechs zeigt das Display schon nach wenigen Metern an. Doch das ist leider nur die Ganganzeige, die Temperatur bleibt bei 1,5 Grad und das "Eis!" Symbol verharrt wie festgefroren im Display.
 

 

Und so bin ich zu spät und langsam unterwegs, werde jedoch wahrscheinlich noch so rechtzeitig ankommen, dass ich noch etwas von dem reservierten Frühstück bei Wunderlich mitbekommen werde.
 

 
Die Landschaft zieht kühlend an mir vorbei, allerdings steigt mit Richtung Rhein - wenn auch dem Fahrstil entsprechend langsam - die Temperatur.

Doch endlich liegt der Rhein vor mir, die Fähre jedoch auf der anderen Seite. Daher schalte ich der Umwelt zu liebe den Motor aus und warte, bis die Fähre fährt um die Maschine zu starten und die Fähre zu befahren.

Auf der Fähre nutze ich die Gelegenheit, um Königswinter im Schlafmantel der Wolken zu fotografieren, d. h. Maschine aus, brav den Fährmann bezahlen (schließlich heiße ich nicht Chris De Burg) und schnell den Fotoapparat zücken.
 



Auf der anderen Seite angekommen fahren die Wagen von mir von der Fähre und ich ... nicht.
Denn ein akuter Elektronenmangel macht sich im Motorrad breit und der Anlasser gibt nur wirres Zeug von sich. Und nach dreimaligem "wirr, wirr, wirr" schließlich überhaupt nichts mehr. Das darf doch nicht wahr sein!

Nicht das wir uns falsch verstehen: ich habe prinzipiell kein Problem damit, wenn der Elektronenakkumulator nach knapp 8 Jahren seinen Dienst quittieren würde, aber kann er das nicht gefälligst vorher ankündigen?
Denn ich fühle mich schon ein wenig verarscht: heute Morgen trotz Kälte und vor wenigen Minuten noch vor der Fähre war nichts davon zu spüren. Doch nun, nach ~80km Fahrt und warmen Motor, genau am tiefsten Punkt der Tour ist Schluss?

Erneut wieder die Fähre befahren und da ich ja nicht ewig hin- und herfahren kann (jede Tour 2,80 Euro), wuchte ich die Maschine schiebend von der Fähre.

Direkt hinter dem Anleger versuche ich es am Seitenrand noch einmal. Erneut außer den lustigen roten und gelben Warndreiecken im Display nur das schnell verstummende Geräusch eines kraftlosen Anlassers. Zweimal, dreimal.

Also trenne ich auch das Navi, um so viel Strom wie möglich beim Starten zu sparen und warte auch noch einmal ein paar Minuten, damit die Batterie durchatmen kann. Doch es ergibt sich überraschender Weise keine Änderung am Ladezustand der Batterie.

Ich könnte jetzt natürlich den ADAC rufen oder jemanden um Starthilfe bitten. Dann könnte ich zu Wunderlich fahren und die Batterie tauschen lassen. Vielleicht ist es aber nicht die Batterie, sondern ein Wackelkontakt, vielleicht ist aber auch die Lichtmaschine nicht in Ordnung? Und was dann? Was, wenn die Maschine irgendwo in der Eifel auf einmal ausgeht, jenseits der Zivilisation oder in mitten eines Funklochs? Und wie soll ich tanken, wenn ich die Maschine jetzt ja durchlaufen lassen muss und den Zündschlüssel nicht mehr abziehen darf, wenn sie erst einmal läuft?

=Summe(Möglichkeiten): die Maschine den Hügel vor der Fähre hochwuchten, runterrollen lassen und ohne den Motor aus zu machen noch einmal direkt wieder die Fähre nehmen und auf direktem Weg nach Hause um die Batterie zu laden und dann sehen wir weiter.

Also schmeiße ich den Popeye Modus an und schiebe die 235 Kg der Maschine ein paar Höhemeter weiter weg vom Ufer. Und - selbstverständlich - während die ganze Zeit keine Autos zu sehen sind, kommen als ich gerade die Maschine so weit den Hügel hinauf geschoben habe um sie Berg runter anrollen zu lassen acht (!) PKW und stellen sich bergab wartend zur Fähre auf. Ich hasse euch!

Doch im letzten Moment geht alles gut: als die Fahrzeuge alle die Fähre befahren, sieht der Fährmann meine Bemühungen die Maschine anrollen zu lassen, was auch auf den letzten Metern dann tatsächlich zündenden Erfolg hat. Und da er auf der Hinfahrt schon meine vergeblichen Versuche die Maschine zu starten mitbekommen hat, bekomme ich auch keinen Kommentar, dass die Maschine auf der Rückfahrt die ganze Zeit läuft während alle anderen Mitfährbefahrer mich missbilligend als offensichtliche "Umweltsau" beäugen.
 



Die Rückfahrt über konzentriere ich mich mehr denn je die Maschine nicht ab zu würgen und überlege, was denn die Ursache des Debakels sein könnte. Offensichtlich jedoch, dass die Maschine zuerst einmal an das Ladegerät muss.

Ohne weitere Zwischenfälle parke ich die Maschine vor dem Wintergarten, denn auf den Wintergarten bekomme ich sie ohne Probleme auch ohne Motorunterstützung geschoben.

Ich verschwinde in der guten Stube und bringe auch direkt das Ladegerät mit auf den Wintergarten, öffne die Tür und möchte noch einmal den Zustand der Batterie und des Anlassers per Kamera dokumentieren ... doch die Maschine springt ohne den kleinsten Widerwillen an. Kraftvoll dreht der Anlasser den Motor, der sofort wie ein Kätzchen vor dem Ofen zu schnurren anfängt. WTF!?
Ich fahre (!) die Maschine auf den Wintergarten und fange sofort an zu strippen. Also die Maschine, um an die Batterie zu gelangen. Als ich das Ladegerät anschließe, stellt dieses initial einen Ladezustand zwischen 75 und 100% fest um wenige Sekunden später vom Lade- in den Erhaltungszustand für voll geladene Batterien zu wechseln.

Da ich ja noch kein(!) Frühstück hatte, entschließe ich mich dazu, meine Wut erst einmal zusammen mit einem Mittagessen herunter zu schlucken.

Als ich den Wintergarten verlasse und mich noch einmal umdrehe ...


... erinnert mich das Heck der Maschine an etwas.

Wer die geplante Tour nachfahren will, der kann sie sich aus dem Internet ziehen:
https://motorradfahrer-online.de/archiv/archiv/artikel///seitenspruenge-im-rheintal-41787/

Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen, wie sie sich denn so fährt.

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